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Bewegtes Sitzen

27.03.2012

Kein Widerspruch, sondern das A und O für mehr Gesundheit am Arbeitsplatz

Endlich kommt Bewegung in Deutschlands Arbeitsplätze, denn moderne Unternehmen und Mitarbeiter sagen Rückenschmerzen, Nackenverspannungen und Müdigkeit den Kampf an. Wie das funktioniert? Mit etwas mehr Bewegung in Kombination mit einem ergonomisch ausgestatteten Arbeitsplatz ist schon der erste Schritt in Richtung Zufriedenheit und Wohlbefinden bei der Arbeit getan.

Neuss – Jeder, der über einen längeren Zeitraum hinweg in einem Büro arbeitet, weiß, Bewegung ist im Alltag Mangelware. Der gesamte Tagesablauf ist vom Sitzen geprägt: im Auto, am Schreibtisch, im Meeting, beim Essen, in der Freizeit. Wer sich der allgemeinen Bewegungslosigkeit bewusst ist, versucht vielleicht, mit Sport in der Freizeit einen Ausgleich zu schaffen. Doch das alleine reicht bei weitem nicht aus, um langfristigen Beschwerden vorzubeugen.

Diese Erfahrung machten auch die Mitarbeiterinnen im Verkaufsshop des Schokoladenherstellers Ritter Sport. Tag für Tag sitzen die Kassiererinnen rund acht Stunden auf ihrem Arbeitsstuhl. Dabei führen sie wenige, stereotype Handgriffe aus und bewegen sich insgesamt nur sehr wenig. Als die Mitarbeiterinnen über Rückenschmerzen und Verspannungen im Nackenbereich klagten, wurde Ritter Sport aktiv und suchte nach ergonomisch sinnvollen Alternativen.

Der Mensch braucht Bewegung
„Die genannten Beschwerden sind typisch für Tätigkeiten an der Kasse oder im Büro“, erklärt Dr. Jörg Zeeh, Orthopäde in Stuttgart. „Viele meiner Patienten klagen über starke Rückenprobleme oder haben Schmerzen im Nacken- und Schulterbereich. Davon betroffen sind vor allem Menschen, die eine sitzende Tätigkeit ausüben.“ Dr. Zeeh wundert sich darüber nicht, denn er weiß: „Die menschliche Physiognomie ist nicht für das stundenlange Sitzen in einer Position geschaffen.“ Warum das so ist, erklärt Daniela Rickhof, Physiotherapeutin und Mitinhaberin des Therapiezentrums Faktum in Stuttgart-Degerloch: „Im Gegensatz zu Muskeln haben Knorpel, Bänder und Bandscheiben keine Blutgefäße, die sie automatisch mit Nährstoffen versorgen. Die Versorgung dieser Körpergewebe erfolgt durch Kompression und Entlastung. Im Klartext durch viel Bewegung des Körpers.“ Bewegung ist also das A und O und gesundes Sitzen bedeutet, möglichst oft die Sitzposition zu wechseln.

Kinder und Reiter sitzen richtig
Einen bahnbrechenden Lösungsansatz, der mehr Bewegung an den Arbeitsplatz bringen sollte, entwickelte der norwegische Designer Peter Opsvik Anfang der 1980er Jahre. Er hatte schon früh erkannt, dass der Mensch sich grundsätzlich von einer „bewegten“ Vergangenheit hin zu einer passiven, statischen Gegenwart entwickelt hatte und deshalb Hilfestellungen im Alltag benötigte. Vorbilder für seine Innovation waren für ihn Reiter und Kinder. Auch Dr. Zeeh rät Patienten, sich ein Vorbild an Kindern zu nehmen: „Entgegen der althergebrachten Vorstellung, der berühmte Zappel-Philipp sei ein schlechtes Vorbild für Kinder, ist genau das Gegenteil der Fall“, erklärt Dr. Zeeh. „Kinder gehen noch ihrem natürlichen Bewegungsdrang nach und wissen automatisch, dass Bewegung gut ist und wie man richtig sitzt.“ Erwachsene haben das längst verlernt oder sich im Laufe des Lebens abtrainiert. Kinder können also wieder unsere Vorbilder werden, denn viel Bewegung, gerade beim Sitzen, häufiges Aufstehen und Herumgehen, ist gut für unsere Wirbelsäule und unser Herz-Kreislauf-System. Durch die Aktivität vor allem der Beine wird die Venenpumpe stimuliert, die für den Rücktransport des Blutes zurück zum Herzen zuständig ist. Studien wie die der Universität von Queensland in Australien belegen nachweislich, dass mehr Bewegung das Risiko einer Herzerkrankung reduziert.

Ein Stuhl revolutioniert das Sitzen
Vor über 25 Jahren erfand Peter Opsvik deshalb die Lösung vieler Probleme: den Bürostuhl HÅG Capisco. Der Stuhl mit dem Sattelsitz ist eine unkonventionelle Sitzlösung, die stereotype Sitzhaltungen vermeiden kann. Der bekannte Designer revolutionierte damit das Sitzen und erfand eine ergonomische Sitzlösung, lange bevor der Bürostuhlmarkt diesem Thema eine Bedeutung beimaß. Auch Experten wie Dr. Zeeh und Therapeutin Daniela Rickhof sind von Peter Opsviks Sitzlösung begeistert. Beide nutzen den Sattelstuhl selbst und empfehlen ihn bedenkenlos Patienten, da er genau die Ansprüche erfüllt, die Ärzte und Therapeuten an einen Bürostuhl stellen: „Auf dem außergewöhnlichen Bürostuhl ist Bewegung ein Kinderspiel, denn er unterstützt die Mobilität der Wirbelsäule und man kann seinen natürlichen Bewegungsdrang ausleben“, weiß Daniela Rickhof aus eigener Erfahrung. „Ein guter Stuhl macht Lust auf Bewegung, indem er die Experimentierfreude des Nutzers unterstützt“, ergänzt die Therapeutin.

Optimales Sitzen bei Ritter Sport
Von Peter Opsviks Innovation profitieren heute auch die Kassiererinnen bei Ritter Sport. Auf Anraten der Betriebsärztin wurden drei HÅG Capisco-Modelle als Kassenstühle angeschafft. Durch die einfache Bedienung kann jeder Stuhl in kürzester Zeit auf die richtige, individuelle Sitzhöhe und -tiefe eingestellt werden. Zu Beginn war die neue Position auf dem Sattelsitz noch gewöhnungsbedürftig. „Doch nach kürzester Zeit hatten sich alle Mitarbeiterinnen damit angefreundet und das Feedback ist rundum positiv“, berichtet Thomas Roh, Beauftragter für Arbeitssicherheit bei Ritter Sport. „Am Wichtigsten für uns war natürlich, dass seither keine Shop-Mitarbeiterin mehr über Rückenbeschwerden klagt.“

Zufriedene Mitarbeiter – zufriedene Kunden
Mehr Bewegung und eine bessere Ausstattung des Arbeitsplatzes bringen auch ganz handfeste ökonomische Vorteile. Wer stundenlang in verkrampfter Haltung auf seinen Bildschirm starrt, wird schnell müde und seine Produktivität lässt nach. Dagegen wirken häufiges Pausemachen, Herumlaufen und dynamisches Sitzen wahre Wunder. Das Kreislaufsystem kommt in Schwung, die Konzentrationsfähigkeit steigt und die Arbeit macht wieder Spaß. „Unsere Mitarbeiter sind dank der neuen Stühle viel zufriedener“, bestätigt Thomas Roh von Ritter Sport.“ Das hat natürlich Einfluss auf unser Verkaufsgeschäft, denn die positive Ausstrahlung unseres Verkaufspersonals wirkt sich auch auf die Stimmung unserer Kunden aus.“ Ritter Sport legt grundsätzlich großen Wert auf ergonomische Arbeitsplätze und fördert die Gesundheit der Mitarbeiter durch ein vielfältiges Angebot. Es gibt wöchentliche Sportkurse und Betriebssportgruppen. Besonders gerne wird das Angebot einer Rückenmassage angenommen. Im Rahmen des jährlichen Gesundheitstags informieren verschiedene Organisationen und Krankenkassen wie man körperlichen Beschwerden und Erkrankungen vorbeugen kann. Beim Erscheinen des Struwwelpeters Ende des 19. Jahrhunderts hätte sicherlich niemand geglaubt, dass über 100 Jahre später die Figur des Zappel-Philipps nicht nur rehabilitiert wird, sondern sogar zum Vorbild für Büroarbeiter avanciert. Angesichts der Zunahme sitzender Tätigkeiten wird die berühmte Figur als Synonym für dynamisches Sitzen und Bewegung am Arbeitsplatz jedoch auch in Zukunft eine wichtige wenn gleich veränderte Rolle spielen. Schließlich gilt der neue Grundsatz am Tisch: Die beste Sitzposition ist immer die nächste.

Autorin:
Claudia M. Beltermann, Sportwissenschaftlerin und Ergonomie-Expertin bei HÅG